Auf einer Tour durch Europa, hatte ich einen Night-Stop (Bezeichnung für Übernachtung) in Moskau. Ich war noch nie in Moskau, und so entschied ich mich mit einem Kollegen in die Stadt zu fahren, um mir einmal den Kreml und den Roten Platz anzuschauen. Das Hotel, welches ziemlich weit außerhalb lag, bot einen kostenlosen Shuttlebus in die Stadt an. Da wir eine Spätaufsteher-Tour hatten ( Spätaufsteher heißt, man kommt mit der letzten Maschine an und geht am nächsten Mittag/Nachmittag wieder raus), und erst gegen 17.00Uhr erst wieder zum Flugzeug mussten, hatten wir also genügend Zeit uns vormittags auf den Weg in die Stadt zu machen. Ich traf mich mit dem Pursermännchen (Der Purser oder Purserette ist der Kabinenchef, also das Chefflugbegleitermännchen) und wir gingen zur Bushaltestelle. Um 10.30 Uhr sollte der Bus in Richtung Stadt abfahren. Wir warteten und warteten und kurz bevor wir unsere Pläne aufgeben wollten, fuhr der Bus vor. Mit gut einer Dreiviertelstunde Verspätung. Die Fahrt in die Stadt dauerte eine halbe Ewigkeit. Der Blick aus dem Fenster bot einen interessanten Blick auf die russische Hauptstadt. Prunkvolle Bauten und heruntergekommene Baracken machten die Kluft zwischen der unheimlich vermögenden und bitterarmen Bevölkerung deutlich. Eine Hotelangestellte nutze den Shuttlebus um nach Feierabend nach Hause in die Stadt zu fahren. Sie erzählte uns ein wenig über die Stadt und die Menschen dort und zeigte uns nach der Ankunft den Haltestopp des Busses für unsere Rückfahrt ins Hotel.
Da waren wir nun. Mitten in Moskau. Eigentlich gab es alles was man im Westen auch kennt, allerdings zu absolut überteuerten Preisen. Dies stellten wir einmal mehr fest als wir uns im GUM, dem hiesigen Kaufhaus Moskaus, umsahen. Eine einfache Jeans eines No-Name-Labels für fast 300 US-Dollar. In Russland wird gerne mit Dollar oder Euro bezahlt, der Rubel hingegen wird nur ungern genommen. Die Preisschilder sind größtenteils eh alle in Dollar ausgezeichnet. Wir ließen uns in einem Cafe im Kaufhaus nieder und bestellten einen Cappucino. Für umgerechnet fast 5 Euro war das der bei weitem teuerste Kaffee, den ich in vier Jahren meines Flugbegleitermännchendaseins getrunken habe. Man sollte meinen, dass es für einen Westeuropäer in Russland eher günstiger ist, aber dem war zu unserer Überraschung nicht so.
Gestärkt machten wir uns nun auf den Weg zum Roten Platz und dem Kreml. Schon beeindruckend wenn man sich bewusst macht, auf dem Roten Platz in Moskau zu stehen, wenn man bedenkt das es viele Jahre zuvor überhaupt keinen Tourismus in Russland gab und man das Land nur nach persönlicher Einladung bereisen durfte. Nachdem wir die gewonnen Eindrücke auf uns haben wirken lassen, machten wir uns auf dem Weg zurück zur Bushaltestelle, da wir schon gern eine Stunde vor Crewbusabfahrt ( wir Flugbegleitermännchen nennen das Pick Up) zurück im Hotel sein wollten. An der Bushaltestelle angekommen, warteten wir aus unseren Transport zurück ins Hotel. Wir warteten und warteten. Mit der Zeit wurden wir ein wenig nervös, da der Bus einfach nicht kam. Jeden Bus den wir in unsere Richtung haben fahren sehen, musterten wir genau, in der Hoffnung es könnte unser Hotelbus sein. Vergebens. Hatte man uns etwa vergessen? Der Bus fuhr doch regelmäßig ob mit oder ohne Passagieren. Nachdem wir wieder fast fünfundvierzig Minuten gewartet hatten, bekamen wir langsam kalte Füße. Was sollten wir tun? Wir sprachen kein Russisch und die Passanten, die wir um Auskunft baten, verstanden unser Englisch nicht. Mussten wir jetzt hier bleiben? Was würde das Kapitänsmännchen sagen? Es würde sicher sauer sein, wenn wir nicht pünktlich zur Crewbusabfahrt da wären. Darüber hinaus wäre gewiss auch großer Ärger mit unserer Fluggesellschaft vorprogrammiert gewesen. Wie durch ein Wunder erblickten wir nach einer halben Ewigkeit ein altes, klappriges Taxi, welches in unsere Richtung fuhr. Das Pursermännchen sprang auf die Straße und hielt das Taxi an. Wir versuchten dem Taxifahrermännchen zu erklären wo wir gerne hin wollten. Dies gelang aber erst als ich, Gott sei Dank, meinen Zimmerschlüssel aus dem Hotel zur Hand nahm, wo in kyrillischer Schrift die Adresse des Hotels zu lesen war. Das Taxifahrermännchen bemerkte sicherlich dass wir in Eile waren und wir traten eine recht rasante Taxifahrt zurück ins Hotel an. Die Ralley zurück in unsere Herberge sollte uns 40 US-Dollar kosten. Ein stolzer Preis und wir waren uns fast sicher, dass dies gewiss ein “Spezialpreis” für Touristen war, andererseits waren wir pünktlich zurück und wir hatten den Roten Platz gesehen. Das war es uns dann doch wert.
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