StartseiteAnekdotenEine Oma zum Verwöhnen



Es war mein erster Einsatz als Flugbegleitermännchen auf einer Boeing 747. Ein Flug nach Johannesburg, unter Fliegern weiß man wie beliebt dieses Ziel ist, da jeder gerne dort hinfliegen möchte. In meinem, nennen wir es mal Abteil (wir Flugbegleitermännchen nennen das Compartment) saß eine älterer Dame mit ihrer Tochter.

Sie erinnerte mich sehr stark an meine eigene Großmutter, und ich nahm die Gelegenheit wahr mich ein wenig mit ihr zu unterhalten. Sie war so eine, naja sagen wir, "Bilderbuchoma" und es machte großen Spaß ihren Geschichten zu lauschen. Es war nicht ihr erster Flug, allerdings war der letzte schon viele Jahre her. Sie war mittlerweile Mitte achtzig und doch ein wenig aufgeregt. Sie war auf dem Weg nach Johannesburg zur Hochzeit ihres Enkels, wie sie mit leuchtenden Augen erzählte.
Während des Bordverkaufs fragte sie nach einer Schachtel Zigaretten. Meine Kollegin und ich entschuldigten uns, dass wir Tabak nur in Stangen zu zehn Schachteln im Angebot hätten und einzeln nicht anbieten könnten. Ihre Tochter fragte ob es irgendwo möglich wäre zu rauchen. Dies verneinten wir, da bekanntlich seit Jahren schon alle Manikin Flüge Nicht-Raucher-Flüge sind. Sie erzählte, dass ihre Mutter lediglich eine Genussraucherin sei und zu besonderen Anlässen gerne eine Zigarette rauchte. War dieser Flug ein besonderer Anlass? Davon gehe ich einfach mal aus. Sie bat mich dann noch um ein "Schlückchen" Rotwein damit "die Mama besser schlafen kann", welches ich ihr mit Freude an den Platz brachte.
Während meiner Nachtwache hatte ich immer ein Auge auf die alte Dame und achtete auch darauf, dass sie stets genügend Flüssigkeit zu sich nahm. Dies ist, um Dehydration zu verhindern, auf langen Flügen besonders wichtig. Beim Anschnallcheck kurz vor der Landung, nahm die alte Dame meine Hand und bedankte sich sehr herzlich für meine Bemühungen und sagte, dass dies der schönste Flug war, den sie je erlebt hatte. Sie sagte zu ihrer Tochter, dass die beiden froh sein könnten, einen so netten Steward gehabt zu haben. Sie nannte mir ihren Rückflugtag und fragte, ob ich da zufällig auch wieder an Bord wäre. Ich sagte ihr, dass ich meinen Dienstplan für den Folgemonat noch nicht bekommen hätte und somit noch nicht genau wüsste ob ich auf dem Flug im Dienst sein würde. Sie meinte ich sollte doch mal fragen, ob ich auf diesem Flug nicht arbeiten könnte. Ich lächelte nur.
Als wir an unserer Parkposition ankamen, sagte sie zu mir, dass ich ein ausgezeichnetes Flugbegleitermännchen wäre und sie sehr froh sei, dass ich sie begleitet hätte. Ich verriet ihr, dass dies mein erster Einsatz war, was sie mir gar nicht glauben wollte. Auch ich sagte ihr, mit einer Träne der Rührung im Auge, dass es mich sehr gefreut hat, sie auf diesem Flug betreuen zu dürfen. An diesen ersten Flug denke ich sehr oft zurück, besonders wenn ich ältere Menschen an Bord begrüße. Ich denke oft, dass es genau so gewesen sein würde, wenn meine eigene Großmutter mal mit mir geflogen wäre. Leider hatten wir nie die Gelegenheit.