StartseiteAnekdotenKein Grund für Flugangst



Auf einem Flug von Kapstadt nach Johannesburg stieg ein junges Mädchen ein. Mein Kollege fragte sie wie es ihr heute ginge und sie entgegnete, dass sie sehr aufgeregt sei, weil sie unter großer Flugangst litt. Da er gar nicht darauf einzugehen schien, entschied ich mich, zu ihr zu gehen um mich mit ihr zu unterhalten und zu versuchen ihr ein Stück weit die Angst zu nehmen. Wie sonst auch , stellte ich mich persönlich bei ihr vor und fragte sie, ob sie eine Idee hätte, was der Grund für ihre Ängste sei. Genauer konkretisieren konnte sie es aber nicht. Ich versicherte ihr, das ich da sei, wenn immer sie mich bräuchte. Wir rollten zur Startbahn und dann sollte es auch losgehen. Ich tauschte die Arbeitsposition mit meinem Kollegen, damit ich sie während des Service immer im Blick hatte und gleich zu ihr eilen konnte, wenn sie sich nicht wohl fühlte. Der Flieger war nicht voll und so war der Service schnell beendet. Nachdem die Arbeit getan war, begab ich mich zu ihrem Sitzplatz und setzte mich zu ihr. Ich versicherte ihr, dass es absolut keinen Grund gäbe sich vor dem Fliegen zu fürchten, denn immerhin sei ja bekannt, dass das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel sei. Ich erzählte ihr, das unsere Fluggesellschaft die Pilotenausbildung ausschließlich selbst in die Hand nähme und keine Pilotenmännchen von Fremdairlines beschäftigte um einen hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandard gewährleisten zu können. Darüber hinaus erzählte ich ihr, dass auch unsere Technikermännchen ausschließlich von unserer Gesellschaft ausgewählt und ausgebildet würden. Und was die Flugbegleitermännchen anginge, dazu müsste ich ja wohl nichts sagen und zwinkerte. Außerdem sei sie heute mit mir unterwegs und da gäbe es wirklich keinen Grund sich vor irgendetwas zu fürchten. Sie war sichtlich erleichtert. Wir wechselten das Thema und sie erzählte mir von ihrem Studium. Im Laufe des Gesprächs kam heraus, dass sie in der Nähe meiner Heimatstadt studierte und das einer ihrer Kommilitonen ein alter Freund von mir war. Ein lustiger Zufall und man unterhielt sich über alte Zeiten. In Johannesburg gelandet, musste ich mich leider von ihr verabschieden, da in Johannesburg ein planmässiger Besatzungswechsel vorgesehen war. Sie war ein wenig enttäuscht. In Anbetracht der Tatsache, dass sie einen alten Freund von mir kannte, gab ich ihr meine e-mail Adresse ( und das mache ich sonst nie) und bat sie mir eine Nachricht zu schreiben wenn sie gut daheim angekommen wäre. Sie war überaus dankbar und fragte wie sie das jemals wieder gut machen könnte. Ich sagte nur, sie habe mir nicht zu danken, ich hätte sie sehr gerne begleitet auf dem kurzen Flug. Wenn ihre Familie sie fragen würde, wie die Reise war, sollte sie einfach von dem netten Flugbegleitermännchen erzählen das ihr den Flug so angenehm und kurzweilig bereitet hat. Sie brauche sich nicht einmal meinen Namen zu merken. Das sei für mich Dank und Anerkennung genug. Als ich von dieser Tour ( Flugbegleitermännchen nennen dies Umlauf) zurück kam, hatte ich tatsächlich eine Nachricht von dem jungen Mädchen. Sie bedankte sich nochmals und schrieb das die Crew auf dem Weiterflug zwar sehr nett war, jedoch nicht mit uns zu vergleichen. Ich habe mich sehr über diese Bestätigung gefreut. Ich hoffe, dass auch sie ab und an, wenn sie in ein Flugzeug steigt, an diesen Flug zurück denkt und sich ein wenig wohler fühlt und keine Angst vor dem Fliegen hat, denn Fliegen ist etwas wunderschönes.